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Architektur und Schule

Brandenburger Architekt(inn)en bieten Unterstützung an

Brandenburgische Architektenkammer

Welche Ideen entwickelten Die Stadtentdecker für Potsdam-Babelsberg?

Einen leerstehenden, alten S-Bahnturm in Potsdam-Babelsberg belebten die Grundschüler der Goethe-Grundschule durch viele bunte Ideen wieder und eine Wohnanlage an der S-Bahnlinie wurde durch die Anregungen der Kinder der Evangelischen Grundschule grüner und ruhiger gemacht. Im Rahmen des Projektes „Die Stadtentdecker“ der Brandenburgischen Architektenkammer trafen sich am 05. Mai 2015 die Schüler und Schülerinnen der beiden Babelsberger Grundschulen, um in einer gemeinsamen Abschlusspräsentation ihre Arbeitsergebnisse aus der Projektwoche im AWO-Kulturhaus Babelsberg öffentlich vorzustellen.

Einen leerstehenden, alten S-Bahnturm in Potsdam-Babelsberg belebten die Grundschüler der Goethe-Grundschule durch viele bunte Ideen wieder und eine Wohnanlage an der S-Bahnlinie wurde durch die Anregungen der Kinder der Evangelischen Grundschule grüner und ruhiger gemacht.

Im Rahmen des Projektes „Die Stadtentdecker“ der Brandenburgischen Architektenkammer trafen sich nun am 05. Mai 2015 die Schüler und Schülerinnen der beiden Babelsberger Grundschulen, um in einer gemeinsamen Abschlusspräsentation ihre Arbeitsergebnisse aus der Projektwoche im AWO-Kulturhaus Babelsberg öffentlich vorzustellen.

Rund 40 Grundschüler waren insgesamt zu Beginn der Projektwoche mit ihren Lehrerinnen und der projektbegleitenden Architektin Sabine Thürigen an der Goethe-Grundschule und des projektbegleitenden Architekten Detelf Grüneke (später vertreten durch Peter Neideck) an der Evangelischen Grundschule in ihrem Stadtteil unterwegs und hatten sich ihre Umgebung in Potsdam-Babelsberg etwas genauer angeschaut. Sie lernten etwas zu den berühmten rund 260 Jahre alten Weberhäusern in ihrem Viertel, über die mehrstöckigen Gebäude aus der Zeit um 1900 und über die Entwicklung des Weber- und des Plantagenplatzes. Die Kinder sahen sich am Neuendorfer Anger und am ehemaligen Rathaus in Babelsberg um. Schließlich bekamen die Schüler der Goethe-Grundschule auch die Gelegenheit einen Blick von oben auf ihren Stadtteil zu werfen. Sie bestiegen den Turm der Friedrichskirche mit Herrn Freudenberg von der evangelischen Kirchengemeinde Babelsberg und steckten ihre Köpfe durch die Turmluken, um unter sich ihren Stadtteil aus völlig neuer Perspektive zu entdecken. Zu Beginn der Projektwoche lud der Sanierungsträger Stadtkontor (vertreten durch Jan Kickinger) in Babelsberg,  die Kinder zu sich in die Schornsteinfergergasse ein, um ihnen etwas über Sanierung und Denkmalschutz von Gebäuden zu erzählen.

Die Kinder der Evangelischen Grundschule untersuchten schliesslich die Wohnanlage zwischen Lutherplatz und der S-Bahntrasse genauer. Alle waren sich einig, dass es dort zu trist und grau sei. Auch der Lärm durch die vorbeifahrenden Züge regte die Phantasie der Kinder an: eine Schallschutzmauer müsse her, die Grünanlage um die Wohnbebauung solle mit neuen Spielplätzen und Pflanzen aufgewertet werden. Die Kinder entwickelten Ideen, wie man eine Schallschutzmauer als Kletterwand ausbilden und dadurch zusätzlich in der Freizeit nutzen oder wie man mit Hilfe von Pflanzen die gesamte Wand begrünen könnte. Mit einem Tipi, Bänken, Sonnenschirm und einem grünen Pavillon könnten die Bewohner der Anlage den Platz vor der Schallschutzmauer optimal nutzen ohne vom S-Bahnlärm belästigt zu werden. Die Jugendlichen, die dort wohnen, sollten einen etwas erhöhten Basketballplatz bekommen und die Flächen der Schallschutzmauer für Graffitis bemalbar sein. Die Autos der Anwohner könnte man bequem unter dem Basketballfeld abstellen und so die Autos aus dem Blickfeld rücken, entschieden die Kinder bei ihren Ideen.

In der Goethe-Grundschule beschäftigten sich die Schüler und Schülerinnen in ihrer Projektwoche mit einem alten, verlassenen S-Bahnturm an der Ecke Anhaltstraße/Rudolph-Breitscheid-Straße ganz in der Nähe ihrer Schule. Bis in die 60er Jahre hinein war der Turm als Stellwerkturm in Betrieb, bis zur Wende wurde das Erdgeschoss des Turms von einem Schuster für seinen Laden genutzt. Seitdem steht der Turm leer und verfällt. Die Idee den Turm wieder mit Leben zu füllen, überzeugte die Kinder. Allerdings sollten alle erstmal ein Gefühl für die Ausmaße und die Dimension des Turms bekommen.

Die Aufgabe bestand darin den Turm  zunächst aus verschiedenen Perspektiven zu zeichnen. Ausgerüstet mit Klemmbrett, Papier, Kohle und Bleistiften bekamen die Kinder Zeit und Gelegenheit das alte Gebäude beim Zeichnen ganz genau zu betrachten, zu erkunden, Fragen zu stellen und dabei zu verstehen. Ein Vielzahl von wunderschönen Turmzeichnungen ist dabei entstanden. Aus der intensiven Beschäftigung heraus entwickelten die Kinder ihre unterschiedlichen Ideen zur Umgestaltung des Turms. Durch Sabine Thürigen, projektbegleitende Architektin, erfuhren sie, dass Architekten ihre Ideen oft zuerst am Modell entwickeln. Als Vorlage für den Modellbau des Turms diente eine Aufmasszeichnung im Massstab M 1:50. Die Kinder bauten ihre Modelle mit Hilfe von Pappe, Kleister, alten Milchpackungen, Schuhkartons, Holzstücken, Ästen, Moosen, Rinden, Stöcken und Steinchen und bemalten sie mit Wasserfarben.

Eine Projektgruppe hatte die Aufgabe den Turm innenäumlich genauer darzustellen und erarbeitete ein Modell im doppelt so großen Massstab. Sie entwarf in ihrem Turmmodell einen bunten Cupcake-Laden auf drei Etagen und bestückte die Regale mit echter Schokolade. Eine andere Gruppe, in deren Turm zukünftig ein Süssigkeitenladen mit Café einziehen sollte,  gab ihm den Namen „Die süße Kaffeebohne“. Den Kindern dieser Gruppe war klar, dass nur ein zweiter, identischer Turm neben dem ersten Turm Platz für die neue Nutzung hergeben würde. So entstand die Idee zwei Türme mit einem gläsernen Steg zu verbinden. Auf beiden Turmspitzen sollten sich durch einen kleinen Motor angetrieben die Symbole des Cafés, ein Bonbon und eine Kaffeetasse, als Blickfang aus der Ferne, drehen.

Um all die spannenden Ideen der Kinder der Goethe-Grundschule am Tag der Abschlusspräsentation angemessen vorstellen zu können, arbeiteten zwei Jungs intensiv an der Erstellung der Präsentation der Arbeitsergebnisse. Die Vorstellung der Kinder am 05. Mai im Kulturhaus Babelsberg vor öffentlichem Publikum, neben den Eltern und Verwandten waren auch Stadtverordnete gekommen, zeigte eindrucksvoll die Vielfalt der Ideen in den Köpfen der Kinder. Man erlebte hautnah, wie die Kinder durch das Projekt lernten den alten Turm mit anderen Augen zu sehen, ihn plötzlich als Teil von Babelsberg wahrzunehmen und ihn mit ihren Ideen wiederbelebten.

Im anschliessenden STADTENTDECKER-Gespräch waren sich vor allem die Kinder einig, dass auch Babelsberg mehr Farbe im Stadtbild vertragen könnte. Stadtkontor, als Vertreter der Stadt am Projekt und Gespräch beteiligt, wolle gerne einige Ideen der Kinder aufnehmen und zur Umsetzung bringen. Sie zeigten sich begeistert von den vielen Anregungen der Kinder, wie phantasievoll man mit Problemen von Lärmbelästigung im Wohnbereich und bei der Wiederbelebung von ehemaligen Funktionsgebäuden im Stadtraum umgehen kann.

Ein Junge fasste seitens der Kinder die Arbeit am Projekt so zusammen:“ Das Thema hat uns deshalb gut gefallen, weil wir auch mal unsere Meinung sagen konnten.“ Allein dieses Resümee zeigt wie groß das Bedürfnis der Kinder ist, um ihre Meinung gefragt und ernst genommen zu werden. Bilderfolge

Anja Kotlan, BA Referentin Öffentlichkeitsarbeit

Beitrag in: Deutsches Architektenblatt 07/2015