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Architektur und Schule

Brandenburger Architekt(inn)en bieten Unterstützung an

Brandenburgische Architektenkammer

Die Stadtentdecker die verschiedenen Ortsteile von Lehnin

Die Schülerinnen und Schüler ziehen im Projekt „Die Stadtentdecker“ aufs Land und nahmen diesmal Ortsteile der Gemeinde Kloster Lehnin in den Blick. Die Gemeinde Lehnin liegt mit ihren 14 Ortsteilen auf 200 km² in der abwechslungsreichen Kulturlandschaft der Zauche, mit ihren Seen, Wäldern und Dörfern und mit noch erkennbarem Erbe der ländlichen Ziegelarchitekturen.

17 interessierte Schüler und Schülerinnen aus den Klassen 7 a - 7 c und zwei Lehrerinnen der Heinrich Julius Bruns Gesamtschule Lehnin sowie ein projektbegleitender Architekt planten im November 2017 ihre Stadtentdecker-(Abenteuer-)Tour. Die Jugendlichen wählten aus den Ortsteilen diejenigen aus, die es zu entdecken gilt, sodass die Rundfahrt diesmal im Bus (zu Fuß wäre diese Tour aufgrund der Größe des Gebiets nicht möglich gewesen) mit diversen Haltepunkten vom Ortsteil Grebs über die Ortsteile Netzen, Nahmitz und Damsdorf zurück nach Lehnin führte. Die Schüler und Schülerinnen machten sich Notizen und formulierten Anmerkungen und Fragen zu dem Gesehenen.

Die Entdeckungen, denen die Jugendlichen ihre Aufmerksamkeit widmeten, waren im Einzelnen:
• Dem Ortsteil Grebs, der im Dorfanger durch die querende, sechsspurige Autobahn A2 geteilt wird.
• Dem Ortsteil Netzen mit seiner historischen Ziegelpflasterstraße und der Randlage zum Natur- und Vogelschutzgebiet Rietzer See.
• Dem Ortsteil Damsdorf mit dem Niemeyer Park (früher war dies der Garten der Niemeyer Villa, die abgebrannt ist) und dem Weidenpalast am Damsdorfer Fenn mit Badestelle.
• Dem zentrale Ortsteil Lehnin mit dem Zisterzienserkloster (gegründet 1180) und seinen Infrastruktureinrichtungen
Die Auswertung der Entdecker-Tour und die Ideenfindung spiegelte sich in der gemeinsamen Arbeit mit den Schülern und Schülerinnen sowie in deren Vorschlägen über die für sie wünschenswerte Einrichtungen wieder, die es bisher so in der Gemeinde nicht gibt. Gerne würden die Schüler und Schülerinnen mit diesem Projekt dazu beitragen Entwicklungen in der Gemeinde anzustoßen.
Da es in der Zauche im 19. Jahrhundert bis etwa in die 1960er Jahre aufgrund ihrer Tonvorkommen eine intensive Ziegeleiwirtschaft mit allem was dazu gehört gab, Zerstörung der Landschaften, schlechte Arbeitsbedingungen für die Menschen, Kinderarbeit, lediglich Saisonarbeit, setzten wir uns auch mit den Bedingungen der Ziegelherstellung im Rahmen dieses Projektes auseinander. In nahezu jedem der Ortsteile der Gemeinde Kloster Lehnin existierten Ziegeleien, die heute noch in Resten an einigen Standorten erkennbar sind (Reste von Hochöfen, renaturierte Tonlöcher, die heute ein Paradies für Wasservögel und Amphibien darstellen).


Nach ausführlichen Diskussionen entwickelten sich Ideen und erste Konzepte. Als die Themen feststanden, bildeten sich fünf Projektgruppen mit folgenden Inhalten:
(hier auch absetzen durch Rahmen möglich)
Projekt 1: ein Fun-Badesteg an der Badestelle Gohlitzsee in Lehnin (siehe Bild 1)
Projekt 2: ein Spielplatz in Nahmitz (siehe Bild 2)
Projekt 3: ein Stadttor für Lehnin (siehe Bild 3)
Projekt 4: Lehnin gestern und heute (ein Videoprojekt)
Projekt 5: ein Skaterplatz auf dem Schulcampus Lehnin (siehe Bild 4)
Der Einstieg in den Modellbau und die Filmarbeit schafften eine Arbeitsatmosphäre, die sich innerhalb der sechs Projekttage unterschiedlich intensiv zeigte. Zur Freude der Schüler und Schülerinnen mussten für endgültige Festlegungen einige Projektstandorte nochmals aufgesucht werden. Die Strukturierung der Projekttage übernahm die betreuende Lehrerin, Frau Kerstin Neumann. Am Ende eines jeden Projekttages wurde ein sogenannter „Projektrat“ einberufen und die Auswertung der Arbeit des Tages von den Schülern und Schülerinnen durch bestimmte Fragen selbst vorgenommen, wie z.B.: Was hat heute gut/nicht so gut geklappt? Was haben wir erreicht? etc.
Wenn Computer- oder Werkstattarbeit in den schulischen Werkräumen auf dem Tagesprogramm stand, waren die Jugendlichen erwartungsgemäß begeistert. Weniger Begeisterung rief dagegen die Projektarbeit im Klassenraum bei den Schülern und Schülerinnen hervor.
Nach den sechs aufschlussreichen und intensiven Projekttagen wurden vorab die Ergebnisse anhand von Modellen und Plakaten dem Schülerrat der Gesamtschule (bestehend aus den jeweiligen Schülerräten der jeweiligen Klassen) präsentiert, sozusagen als Generalprobe für die große, öffentliche Präsentation im Festsaal des Elisabethhauses auf dem Klostergelände in Lehnin zum Abschluss des Projektes.
Die öffentliche Präsentation fand dann am 25. Januar 2018 in Anwesenheit des Bürgermeisters der Gemeinde Kloster Lehnin, einigen Ortsvorstehern, den Vertretern des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL), der Brandenburgischen Architektenkammer, den Eltern und interessierten Bürgern sowie Pressevertretern statt. Trotz großer Aufregung der beteiligten Schülerinnen und Schüler und einigen Hindernissen am Präsentationstag, ein Modell hatte einen Transportschaden erlitten und musste schnellstens repariert werden, außerdem gab es wegen krankheitsbedingtem Ausfall einiger Beteiligter kurzfristige Umstellungen der Vorträge, meisterten die Schüler und Schülerinnen ihren jeweiligen Auftritt mit Bravour und erhielten im anschließenden Architekturgespräch viel Lob und Anerkennung. Zur großen Freude der Jugendlichen stießen einige Projektideen auf offene Ohren bei den verantwortlichen Gemeindevertretern und die Schüler und Schülerinnen können auf die Realisierung des einen oder anderen Themas hoffen. Zugleich wurde bei den Jugendlichen der Mut zum weiteren Engagement geweckt und sie wurden darin bestärkt, sich weiterhin für ihre Belange in ihrer Umgebung einzusetzen. Bild 5
Alle an diesem Projekt Beteiligten sind davon überzeugt, dass die Jugendlichen neue und wesentliche Erfahrungen hinsichtlich ihrer baulichen und natürlichen Umgebung gemacht und unterschiedliche Sichtweisen kennengelernt haben und diese nun mit einem neuen Blick wahrnehmen.
Die Schüler und Schülerinnen hatten während des Projektes die Möglichkeit ihre Eindrücke, Erfahrungen und Empfindungen als Rückmeldung anonym auf Projektkarten zu äußern, die dann eingesammelt wurden. Mit zwei Schülerzitaten von den Stadtendecker-Projektkarten möchte ich diesen Bericht beenden:
Das Stadtentdeckerprojekt hat mir gefallen, weil…
„wir unsere Ideen mitverwenden konnten und wenn ein Modell wirklich einmal steht, dann kann man stolz sein und sagen „Guck mal, das war meine Idee und die steht jetzt hier.“
und
„… danke es hat unglaublich Spaß gemacht, immer wieder gerne …“
(mir auch, Anmerkung Jürgen Hermann).


Jürgen Hermann
projektbegleitender Architekt

Beitrag in Deutschem Architekteblatt 04/2018

Anmerkung der Redaktion: Der projektbegleitende Architekt, Jürgen Hermann, teilte uns Anfang März mit, dass die Schülerinnen und Schüler in Lehnin die Möglichkeit bekommen werden, ihre erarbeiteten Projekte ganz offiziell der Gemeindevertreterversammlung in Lehnin selbst vorstellen und erläutern zu können.