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Potsdamer Schüler entwicklen Vorschläge für das Zentrum Ost

Die Stadtentdecker planen Stadtumbau im menschlichen Maß

Warum wir uns in einer Straße, auf einem Platz oder in einem Stadtviertel wohlfühlen oder nicht, ist uns häufig nicht bewusst. Was sind die Faktoren, die eine Stadt lebenswert machen und dem öffentlichen Raum Aufenthaltsqualität geben? Diese Frage beschäftigte die Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse in der Gruppe „Städte für Menschen“ an der Montessori-Oberschule in Potsdam, nachdem sie sich dem Thema Stadt mit ihren Lehrerinnen Susanne Scharnhorst und Luisa Rund bereits von verschiedenen Seiten genähert hatten.

Die Stadtentdecker planen Stadtumbau im menschlichen Maß
Potsdamer Schüler entwickeln Vorschläge für das Zentrum Ost

Warum wir uns in einer Straße, auf einem Platz oder in einem Stadtviertel wohlfühlen oder nicht, ist uns häufig nicht bewusst. Was sind die Faktoren, die eine Stadt lebenswert machen und dem öffentlichen Raum Aufenthaltsqualität geben? Diese Frage beschäftigte die Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse in der Gruppe „Städte für Menschen“ an der Montessori-Oberschule in Potsdam, nachdem sie sich dem Thema Stadt mit ihren Lehrerinnen Susanne Scharnhorst und Luisa Rund bereits von verschiedenen Seiten genähert hatten.

Als Stadtentdecker erkundeten die Jugendlichen das Zentrum Ost in Potsdam, ein Quartier, das viele von ihnen nicht kannten, obwohl es vis-à-vis der historischen Innenstadt auf der östlichen Havelseite liegt. Neben den vorherrschenden Wohnzeilen und Hochhäusern der 1970er und 80er Jahre finden sich dort auch Bauformen anderer Epochen. Auf dem Stadtspaziergang mit den begleitenden Architekten Michael Küssner und Peter Neideck konnten die Schülerinnen und Schüler die unterschiedliche Bebauung vergleichen. Ganz bei der Sache waren sie nicht, wie sie später eingestanden. Die undefinierte Weite zwischen den Gebäuden, ihre teils erdrückende Höhe und die fehlende Abwechslung in den Fassaden bot aus jugendlicher Perspektive wenig Positives. Ihr Eindruck änderte sich schlagartig, als sie die kleinteilige Baustruktur der „Nutheschlange“ erlebten und am Havelufer erkannten, wie gut das Quartier gelegen ist.

Trotzdem bedurfte es einiger Anstöße durch die Architekten, bis die Jugendlichen verstanden, welche Chancen sich ihnen mit eigenen Entwürfen zur Veränderung von Zentrum Ost boten. Ungeachtet der realen Bedingungen, durften sie bestehende Gebäude rückbauen oder ganz abreißen, sie konnten verdichten, aufstocken und neu bauen - um das Quartier nach ihren Vorstellungen aufzuwerten. Sechs Gruppen bearbeiteten jeweils ein Teilgebiet und bauten davon große Modelle im Maßstab 1:500. Als sie mittels professioneller Thermosägen im Handumdrehen aus Hartschaumplatten ihre Baukörper geschnitten hatten, nahm das Projekt rasant Fahrt auf. Die Ideen sprudelten, und aus den, um Straßen und Bäume ergänzten Modellen wurden kleine Kunstwerke.

Treffende Namen bringen die Kerngedanken eines jeden Projektes zum Ausdruck. „Gemeinsam statt einsam“ heißt etwa die Devise eines Entwurfs, der drei beziehungslos nebeneinander stehende Hochhäuser kürzt und mit organisch geformten Ergänzungsbauten für Kinder und Alte zu einem hofartigen Ensemble verbindet. „Zwei grüne Höfe“ verknüpft Zeilenbauten zu aufgelockerten Blöcken, deren Köpfe mit markanten Schwüngen auf die „Nutheschlange“ reagieren. Den zentralen Bereich an der Lotte-Pulewka-Straße gestaltet die Gruppe „Vielfältig statt einfältig“ mit begehbaren Baukörpern: Eine Freitreppe macht das Dach des Supermarktes für ein Café nutzbar. Von dort gelangt man über eine Brücke auf einen künstlichen Hügel, in dem eine Stadtteilbliothek steckt.

Gemeinsam sind den sechs Entwürfen die gestalterische Vielfalt, die Durchmischung des Wohngebiets mit anderen Nutzungen und die wohlproportionierten Räume zwischen den Häusern. Trotz der komplexen Aufgabenstellung haben die Schülerinnen und Schüler verstanden, mit welchen Mitteln ein für sie weniger attraktives Viertel umgestaltet werden kann, so dass sie selbst dort gerne wohnen würden. Am liebsten hätten sie auch die Bewohner in ihre Planungen einbezogen.

Bei der Präsentation in Form eines Galerierundgangs beeindruckten die Gruppen an drei Tischen mit gekonnten Erläuterungen zu ihren Modellen. Schulleiter Sebastian Raphael zeigte sich ebenso begeistert, wie die Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport Noosha Aubel. Frau Aubel, die erstmals bei einer Stadtentdecker-Präsentation dabei war, versprach sogar, den Schülern Gelegenheit zu einer weiteren Vorstellung im Rathaus zu geben. Vielleicht stoßen die jugendlichen Ideen tatsächlich Veränderungen in Zentrum Ost an?

Peter Neideck,
projektbegleitender Architekt
Beitrag in Deutschem Architektenblatt 05/2019